Kyoto-Preis 2016: Inamori-Stiftung gibt die drei Preisträger bekannt

17. Juni 2016

Kyoto/Neuss - Der Kyoto-Preis gilt neben dem Nobelpreis als eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen für das Lebenswerk herausragender Persönlichkeiten in Kultur und Wissenschaft. Die diesjährigen Preisträger sind der Robotiker Dr. Takeo Kanade, der Medizinwissenschaftler Dr. Tasuku Honjo sowie die Philosophin Dr. Martha Craven Nussbaum. Die mit jeweils 50 Millionen Yen (rund 430.000 Euro*) dotierte Ehrung wird alljährlich durch die Inamori-Stiftung verliehen, die 1984 von Dr. Kazuo Inamori, dem Gründer des japanischen Technologiekonzerns Kyocera, ins Leben gerufen wurde.

Mit dem Kyoto-Preis würdigt die Inamori-Stiftung das Lebenswerk von Persönlichkeiten, die sich mit herausragenden Leistungen in ihrem Bereich um Kultur und Wissenschaft verdient gemacht haben. Die feierliche Verleihung findet traditionell am 10. November 2016 in Kyoto statt.

Die Kyoto-Preisträger 2016

Das Komitee vergibt den Kyoto-Preis in den Kategorien „Advanced Technology“, „Basic Sciences“ und „Arts and Philosophy“. In diesem Jahr werden die Preisträger in den zugehörigen Feldern „Robotics“, „Medical Sciences“ und „Philosphy“ ausgezeichnet.

Dr. Takeo Kanade (Japan)

Dr. Takeo Kanade hat bedeutende theoretische und praktische Beiträge zur Basistheorie des maschinellen Sehens geleistet und diverse innovative angewandte Technologien im Bereich der Robotik entwickelt, darunter bahnbrechende Verfahren und Technologien für das autonome Fahren.

Aus seiner Forschung zur computergestützten Bilderkennung ging eine Methode zur Entwicklung von Gesichtserkennungstechnologien auf Basis neuronaler Netzwerke hervor, die letztlich den Weg für kommerzielle Gesichtserkennungsanwendungen in vielen verschiedenen Bereichen ebnete.

Darüber hinaus entwickelte er eine Theorie, um aus zweidimensionalen Bildern dreidimensionale Strukturen zu modellieren. Als Erfinder eines selbstfahrenden Systems mit künstlicher Intelligenz führte Kanade das Projekt „No Hands Across America“ durch, bei dem eine rund 4.500 Kilometer lange Strecke autonom zurückgelegt wurde.

Dr. Kanade, 70, wurde in der japanischen Präfektur Hyogo geboren und hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den „Azriel Rosenfeld Lifetime Achievement Award“ und den „Bower Award and Prize for Achievement in Science“.

Dr. Tasuku Honjo (Japan)

Dr. Tasuku Honjo hat den Mechanismus entdeckt, der für die funktionelle Diversifikation von Antikörpern verantwortlich ist, sowie immunregulatorische Moleküle und klinische Anwendungsmöglichkeiten von PD-1. Damit hat er Grundstein für eine effektive Krebsimmuntherapie gelegt.

Seine Entdeckungen und ihre klinischen Anwendungsmöglichkeiten haben die Forschung im Bereich Biowissenschaften und Medizin maßgeblich beeinflusst und einen entscheidenden Beitrag zum Wohlergehen der Menschheit geleistet. Er hat die Klassenwechselrekombination (Class Switch Recombination, CSR) der Antikörperdiversifikation entdeckt und das dafür verantwortliche Enzym „Aktivierungsinduzierte Deaminase“ (AID) geklont.

Darüber hinaus hat er diverse wichtige immunregulatorische Moleküle wie das PD-1 entdeckt. Im Rahmen klinischer Studien zeigte der humanisierte Anti-PD-1-Antikörper bei diversen Krebsarten Wirkung und wird mittlerweile bei der Patientenbehandlung eingesetzt.

Dr. Honjo, 74, stammt aus Kyoto und hat diverse Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den Robert-Koch-Preis und den japanischen Kulturorden. Er ist Mitglied der Leopoldina, der National Academy of Sciences, der American Association of Immunologists und der Japan Academy.

Dr. Martha Craven Nussbaum (USA)

Dr. Martha Craven Nussbaum hat sich selbst als Entwicklerin einer neuen Gerechtigkeitstheorie etabliert, indem sie den Begriff der menschlichen Grundfähigkeiten als Kriterium sozialer Gerechtigkeit einführte und damit die traditionelle Theorie der Gleichberechtigung kritisierte.

Nachdem sie sich mit alten griechischen Tragödien und der Philosophie des Aristoteles auseinandergesetzt hatte, begann Nussbaum den rationalen Individualismus in der modernen westlichen Welt zu hinterfragen. Sie erstellte eine Liste von Fähigkeiten, die als prinzipielle Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben verstanden werden können.

Sie unterrichtete Philosophie und klassische Philologie an der Harvard University, ihrer Alma Mater, sowie der Brown University und war für das World Institute for Development Economics Research der United Nations University als Forschungsberaterin tätig. Seit 1995 lehrt sie Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Dr. Nussbaum, 69, hat den Prinz-von-Asturien-Preis für Sozialwissenschaften erhalten und wurde zum Ritter erster Klasse des Ordens der Weißen Rose, der höchsten Auszeichnung der Republik Finnland, ernannt. Zudem ist sie Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Über den Kyoto-Preis

Mit dem diesjährigen 32. Kyoto-Preis zeichnet die Inamori-Stiftung Persönlichkeiten aus, die einen maßgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung von Kunst und Wissenschaft geleistet haben. Zu den früheren Preisträgern gehören u.a. der französische Komponist Pierre Boulez, die deutsche Choreografin Pina Bausch, der Philosoph Jürgen Habermas, der japanische Modedesigner Issey Miyake, der Musiker und Dirigent Nikolaus Harnoncourt, die Künstler Maurice Béjart und Roy Lichtenstein sowie die Primatologin Jane Goodall.

*Stand des Wechselkurses: 16. Juni 2016
 

Für weitere Informationen zu Kyocera: www.kyocera.de

 



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