Kyoto-Preis 2015: Inamori-Stiftung gibt diesjährige Preisträger bekannt

19. Juni 2015

Kyoto, Japan - Der Kyoto-Preis, der neben dem Nobelpreis als eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen für das Lebenswerk herausragender Persönlichkeiten in Kultur und Wissenschaft gilt, geht in diesem Jahr an den Choreografen und künstlerischen Direktor des Hamburg Ballett John Neumeier, den Chemiker Dr. Toyoki Kunitake und den Astrophysiker Dr. Michel Mayor. Die mit jeweils 50 Millionen Yen (rund 360.000 Euro*) dotierte Ehrung wird alljährlich durch die Inamori-Stiftung verliehen, die 1984 von Dr. Kazuo Inamori, dem Gründer des japanischen Technologiekonzerns Kyocera, ins Leben gerufen wurde.

19. Juni 2015 – Kyoto/Neuss – Mit dem Kyoto-Preis würdigt die Inamori-Stiftung das Lebenswerk von Persönlichkeiten, die sich mit herausragenden Leistungen in ihrem Bereich um Kultur und Wissenschaft verdient gemacht haben. Die feierliche Verleihung findet traditionell am 10. November 2015 in Kyoto statt.

Die Kyoto-Preisträger 2015

Das Komitee vergibt den Kyoto-Preis in den Kategorien „Advanced Technology“, „Basic Sciences“ und „Arts and Philosophy“. In diesem Jahr werden die Preisträger in den zugehörigen Feldern „Materials Science and Engineering“, „Earth and Planetary Sciences, Astronomy and Astrophysics“ und „Theater, Cinema“ ausgezeichnet.

John Neumeier (Deutschland, USA)

John Neumeier ist ein weltbekannter Choreograf, der mit Erfolg traditionelle Balletttechniken und -elemente einsetzt, um das Potenzial des körperlichen Ausdrucks voll auszuschöpfen und die menschliche Psyche in allen Details auszuloten. Er hat die Essenz der beiden Genres dramatisches Ballett und abstraktes Ballett vereint und die Kunst in eine neue Dimension befördert. Neumeier stammt aus Milwaukee, Wisconsin, und studierte Englische Literatur und Theaterwissenschaften, bevor er nach Deutschland ging, wo er sich rasch einen Namen als Choreograf von Rang machte. Seine Meisterwerke wie die Dritte Sinfonie von Gustav Mahler werden nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt aufgeführt. Zudem schuf er auch Stücke mit Japanbezug wie die „Sieben Haikus über den Mond“. Neumeier, 73, ist seit mehr als vier Jahrzehnten künstlerischer Direktor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett. Er ist Träger vieler Auszeichnungen, darunter der Herbert-von-Karajan-Musikpreis und der Deutsche Tanzpreis.

Dr. Toyoki Kunitake (Japan)

Dr. Toyoki Kunitake, ein Pionier auf dem Gebiet der Werkstoffwissenschaften, ist durch die Entdeckung der synthetischen Doppelschichtmembranen und die Schaffung der neuen Disziplin einer auf molekularer Selbstorganisation beruhenden Chemie bekannt geworden. Nach der geschichtsträchtigen Entdeckung 1977 trug Dr. Kunitake mit seiner Arbeit dazu bei, die Entstehung von Doppelschichtmembranen als universelles Phänomen zu verstehen. Er entwickelte verschiedene Methoden zur Immobilisierung von Doppelschichtmembranen, indem er zweidimensionale Polymer- und zweidimensionale ultradünne Silikafilme mithilfe von Dünnschichtstrukturen synthetisierte, die durch organische Molekularorganisation als Formen gebildet wurden. Zudem entwickelte er eine Methode zur Herstellung großer, frei stehender, dünner Filme mit Nanostruktur. Die von ihm geprägte molekulare Selbstorganisation wird allgemein als eines der wichtigsten Konzepte im modernen Werkstoffdesign anerkannt. Dr. Kunitake, 79, wurde in der Präfektur Fukuoka geboren und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den Preis der Chemical Society of Japan, den Preis der Japanischen Akademie und die Anerkennung als „Person mit besonderen kulturellen Verdiensten“.

Dr. Michel Mayor (Schweiz)

Dr. Michel Mayor erbrachte außerordentliche Leistungen bei der Entwicklung einer neuen Sichtweise des Universums durch die Entdeckung eines extrasolaren Planeten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist. Er erreichte dies durch die ständige Verfeinerung und Verbesserung der Beobachtungstechnik, u. a. entwickelte er eine Reihe von Spektrogrammen und wendete die sogenannte Radialgeschwindigkeitsmethode an, die mithilfe von Spektrogrammen die Messung der Geschwindigkeit von Exoplaneten ermöglicht. Die Entdeckung des Exoplaneten durch Dr. Mayor steigert die Erwartungen, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Exoplanet ähnlich der Erde entdeckt werden könnte. Dr. Mayor, 73, stammt aus Lausanne in der Schweiz und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Albert-Einstein-Medaille, den Shaw-Preis in Astronomie und die Goldmedaille der Royal Astronomical Society. Er ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, der Europäischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften.

John Neumeier (© Steven Haberland), Dr. Toyoki Kunitake, Dr. Michel Mayor (v.l.n.r.)

Über den Kyoto-Preis

Mit dem diesjährigen 31. Kyoto-Preis zeichnet die Inamori-Stiftung Persönlichkeiten aus, die einen maßgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung von Kunst und Wissenschaft geleistet haben. Zu den früheren Preisträgern gehören u.a. der französische Komponist Pierre Boulez, die deutsche Choreografin Pina Bausch, der Philosoph Jürgen Habermas, der japanische Modedesigner Issey Miyake, der Musiker und Dirigent Nikolaus Harnoncourt, die Künstler Maurice Béjart und Roy Lichtenstein sowie die Primatologin Jane Goodall.

 



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