32. Kyoto-Preis: Inamori-Stiftung ehrt Wissenschaftler aus den Bereichen Robotik, Medizin und Philosophie

10. November 2016

Kyoto/Neuss - Heute haben der Robotiker Dr. Takeo Kanade, der Medizinwissenschaftler Dr. Tasuku Honjo sowie die Philosophin Dr. Martha Craven Nussbaum in der alten japanischen Kaiserstadt den Kyoto-Preis für ihr Lebenswerk entgegengenommen. Die Auszeichnung gilt neben dem Nobelpreis als eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen für das Lebenswerk herausragender Persönlichkeiten in Kultur und Wissenschaft.

Bei einer feierlichen Zeremonie haben die diesjährigen Preisträger heute den Kyoto-Preis entgegengenommen. Die hochdotierte Ehrung wird jedes Jahr am 10. November – dies Jahr bereits zum 32. Mal - durch die Inamori-Stiftung verliehen und würdigt das Lebenswerk von Persönlichkeiten, die sich mit herausragenden Leistungen in Wissenschaft und Kultur verdient machen. Im Kyoto International Conference Center in der alten japanischen Kaiserstadt nahmen heute alle drei Laureaten aus den Bereichen „Arts and Philosophy“, „Advanced Technology“ und „Basic Sciences“ die Auszeichnung im Beisein von Prinzessin Takamado, einem Mitglied der Kaiserfamilie und mehr als tausend geladenen Gästen aus Wirtschaft, Kultur und Politik aus aller Welt entgegen. Die Auszeichnung umfasst ein Diplom, die Kyoto-Preis Medaille und das Preisgeld in Höhe von jeweils 50 Millionen Yen (rund 430.000 Euro*).

Die Preisträger 2016

Kyoto Preis 2016 - Preisträger - Credit (c) Inamori Foundation
Kyoto Preis 2016 - Preisträger - Credit (c) Inamori Foundation

Kyoto-Preis: Auszeichnung mit Tradition

Der Kyoto-Preis wurde 1984 von Kazuo Inamori, dem Gründer des japanischen Technologie-Konzerns Kyocera mit Hauptsitz in Kyoto, ins Leben gerufen. Der Kyoto-Preis wird jährlich im November von der ebenfalls von ihm gegründeten Inamori-Stiftung in den Kategorien „Advanced Technology“, „Basic Sciences“ und „Arts and Philosophy“ vergeben.

Zu den Preisträgern der letzten 32 Jahre zählen bedeutende Persönlichkeiten wie die verstorbene Choreographin Pina Bausch, der Philosoph Jürgen Habermas, der japanische Modeschöpfer Issey Miyake, der französische Komponist Pierre Boulez sowie der Molekularbiologe Yoshinori Ohsumi, der dieses Jahr den Nobelpreis für seine Forschung erhalten hat.

Die Kyoto-Preisträger 2016

In diesem Jahr werden die Preisträger in den zu den Kategorien gehörigen Feldern „Robotics“, „Medical Sciences“ und „Philosphy“ ausgezeichnet.

Preisträger „Robotics“: Dr. Takeo Kanade (Japan)

Der japanische Robotiker Dr. Takeo Kanade arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich der Robotik und hat bahnbrechende Verfahren und Technologien für diverse Anwendungen entwickelt. So hat er theoretische und praktische Beiträge zur Basistheorie des maschinellen Sehens und autonomen Fahrens geleistet und die computergestützte Bilderkennung in der Robotik entscheidend vorangetrieben. Aus seiner Forschung ging eine Methode zur Entwicklung von Gesichtserkennungstechnologien auf Basis neuronaler Netzwerke hervor, die den kommerziellen Einsatz von Gesichtserkennungsanwendungen in vielen verschiedenen Bereichen ebnete. Zu seinen weiteren wissenschaftlichen Erfolgen zählt die Entwicklung einer Theorie, die aus zweidimensionalen Bildern dreidimensionale Strukturen modelliert.

Mit dem Projekt „No Hands Across America“ gelang es Kanade, ein selbstfahrendes System mit künstlicher Intelligenz zu entwickeln, dass eine rund 4.500 km lange Strecke autonom zurücklegen kann.

Dr. Kanade, 70, wurde in der japanischen Präfektur Hyogo geboren und hat in seiner Karriere bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den „Azriel Rosenfeld Lifetime Achievement Award“ und den „Bower Award and Prize for Achievement in Science“.

Preisträger „Medical Sciences“: Dr. Tasuku Honjo (Japan)

Der Mediziner Dr. Tasuku Honjo konnte durch die Entdeckung eines Mechanismus zur funktionellen Diversifikation von Antikörpern und immunregulatorischen Molekülen einen bedeutenden Beitrag für eine effektive Krebsimmuntherapie leisten.

Er konnte darüber hinaus klinische Anwendungsmöglichkeiten des Moleküls PD-1 entwickeln und hat die Forschung im Bereich Biowissenschaften und Medizin maßgeblich beeinflusst. Mit seiner Forschung und deren Anwendungsmöglichkeiten hat Dr. Honjo einen entscheidenden Beitrag zum Wohlergehen der Menschheit geleistet.

Er hat die Klassenwechselrekombination (Class Switch Recombination, CSR) der Antikörperdiversifikation entdeckt und das dafür verantwortliche Enzym „Aktivierungsinduzierte Deaminase“ (AID) geklont. Im Rahmen klinischer Studien zeigte der humanisierte Anti-PD-1-Antikörper bei diversen Krebsarten Wirkung und wird mittlerweile bei der Patientenbehandlung eingesetzt. Dr. Honjo, 74, stammt aus Kyoto und hat diverse Preise und Auszeichnungen wie den Robert-Koch-Preis und den japanischen Kulturorden erhalten. Er ist Mitglied der Leopoldina, der National Academy of Sciences, der American Association of Immunologists und der Japan Academy.

Preisträgerin „Philosophy“: Dr. Martha Craven Nussbaum (USA)

Die Moralphilosophin Dr. Martha Craven Nussbaum etablierte sich als Entwicklerin einer neuen Gerechtigkeitstheorie, indem sie den Begriff der menschlichen Grundfähigkeiten als Kriterium sozialer Gerechtigkeit einführte und damit die traditionelle Theorie der Gleichberechtigung kritisierte. Nachdem sie der alten griechischen Tragödien und der Philosophie des Aristoteles auf den Grund gegangen war, begann Nussbaum den rationalen Individualismus in der modernen westlichen Welt zu hinterfragen.

Sie erstellte eine Liste von Fähigkeiten, die als prinzipielle Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben verstanden werden können. Sie unterrichtete Philosophie und klassische Philologie an der Harvard University, ihrer Alma Mater, sowie der Brown University und war für das World Institute for Development Economics Research der United Nations University als Forschungsberaterin tätig. Seit 1995 lehrt sie Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago.

Dr. Nussbaum, 69, hat den Prinz-von-Asturien-Preis für Sozialwissenschaften erhalten und wurde zum Ritter erster Klasse des Ordens der Weißen Rose, der höchsten Auszeichnung der Republik Finnland, ernannt. Zudem ist sie Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Über den Kyoto-Preis

Mit dem diesjährigen 32. Kyoto-Preis zeichnet die Inamori-Stiftung Persönlichkeiten aus, die einen maßgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung von Kunst und Wissenschaft geleistet haben. Zu den früheren Preisträgern gehören u.a. der französische Komponist Pierre Boulez, die deutsche Choreografin Pina Bausch, der Philosoph Jürgen Habermas, der japanische Modedesigner Issey Miyake, der Musiker und Dirigent Nikolaus Harnoncourt, die Künstler Maurice Béjart und Roy Lichtenstein sowie die Primatologin Jane Goodall.

Weitere Informationen zum Kyoto-Preis sowie zur Inamori-Stiftung finden Sie unter http://www.kyotoprize.org/en/

* Stand des Wechselkurses: 16. Juni 2016



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Pressekontakt

Daniela Faust
Manager Corporate Communications
E-Mail: daniela.faust@kyocera.de
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